Inter*: Buchempfehlung

Heute möchte ich ein sehr lesenswertes, wichtiges Buch empfehlen:

Inter

Erfahrungen intergeschlechtlicher Menschen in der Welt der zwei Geschlechter

Elisa Barth, Ben Böttger, Dan Christian Ghattas, Ina Schneider (Hg.)

Hier erzählen Inter*menschen aus 9 verschiedenen Ländern von sich selbst und ihren Erfahrungen.

Ich dachte ich teile vielleicht noch die Rezension von jemand anderen, aber dann bin ich auf diesen Quatsch (in einem sonst positiven Darstellung) gestoßen:

Es wird angenehm wenig medizinisches Wissen reproduziert und es kommen keine Mediziner_innen oder andere vermeintliche „Experten“ zu Wort. Umso verwunderlicher ist es, dass sich die Definition von Intergeschlechtlichkeit bereits auf der Umschlagseite am medizinischen Paradigma des Auseinanderfallens chromosomaler, hormonaler und/oder genitaler Geschlechtsmerkmalsgruppen orientiert.

Nun, diese Dinge fallen nun einmal IN DER REGEL auseinander. Außerdem: Nette generelle Voreingenommenheit gegenüber der Medizin als ganzes. Immer ein Plus.

Das, was Inters* zu Inters* macht, sind Erlebnisse in zweigeschlechtlich organisierten Gesellschaften, also Erfahrungsdimensionen, die jenseits medizinischer Wissensproduktion liegen und auf die auch maßgeblich im Buch eingegangen wird.

Die jenseits medizinischer Wissensproduktion liegen? Gewagte Aussage. Natürlich bildet diese Disziplin nicht die gesamte Realität von intergeschlechtlichen Menschen ab, aber wieso sollte sie? Die Medizin kann über Inter*-Themen bescheid wissen und sollte dieses Wissen sogar unbedingt erweitern bzw. vervollständigen – zum Wohle intergeschlechtlicher Menschen.

Man kann der Medizin nämlich realistisch gar nicht aus dem Weg gehen. So als Mensch, der geboren wird, meist in einem Krankenhaus, und auch mal krank wird usw. Es ist echt besser man steht nicht auf dem Kriegsfuß mit einer ganzen, lebensnotwendigen Disziplin.

Hier wird, nur weil dringend etwas verbessert werden muss, das Kind mit dem Badewasser ausgeschüttet.

Ebenfalls problematisch ist auch in diesem Buch die immer wieder reproduzierte Rede der „uneindeutigen Genitalien“. Was soll das sein? Jedes Genital ist eindeutig! „Uneindeutige Genitalien“ kann es nur in einer zweigeschlechtlich organisierten Gesellschaft geben. Wenn von „Uneindeutigkeit“ die Rede ist, sollte der Begriff „Zweigeschlechtlichkeit“ nicht weit sein…

Ja, der Titel des Buches ist wortwörtlich: „Erfahrungen intergeschlechtlicher Menschen in der Welt der zwei Geschlechter“. Wieso dann dieser Kritikpunkt unter „Lob und Kritik“ und dieses abgedroschene Labeln mit dem Adjektiv problematisch? Das ist mit der Uneindeutigkeit ist nun einmal kein reines Politikum, sondern auch persönliche Wahrnehmungssache und für Inter*Personen 100% erlaubt, wenn sie über die eigenen Erfahrungen reden, die die Ignoranz ihrer Umwelt zwangsläufig wiederspiegeln.

Das witzige ist, dass die Aufklärungsbrochüre Inter* und Sprache (1. Auflage 2015) diesen Teil der Rezension tatsächlich selbst zitiert. Als Autor war auch hier wieder Dr. Dan Christian Ghattas mit an Bord. Sicherlich aber war das Thema aber nix neues für ihn oder die anderen Beteiligten in 2013, als das Buch erschien.

Der Rezensierende hier hat also recht, soviel recht, dass er zwei Jahre später zurückzitiert wird ABER macht die Aussage Sinn als Kritik? Absolut nicht.

Wie auch immer: Lest das Buch, oder klickt auf die Links zwei Absätze höher, die sind auch echt super und online / gratis.

Rezension

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