Geschlecht als bimodale Verteilung

In der Mathematik beschreibt der Begriff bimodale Verteilung eine Wahrscheinlichkeitsverteilung oder Häufigkeitsverteilung, bei der die Dichte bzw. deren Schätzung zwei Modi aufweist.

Während eine Seite darauf behaart, dass es nur zwei Geschlechter gibt, und die Gegenseite gleich alle „Bi-Begriffe“ abschaffen will, weil das Wort „binär“ (=zweigeteilt) darunter ist, möchte ich den Blick auf ein Wort lenken, dass ich heute zum ersten Mal gehört habe:

bimodal

Eine bimodale Verteilung lässt Platz für alle. Sie hat zwei Hügel und ein Tal dazwischen. Damit zeigt sie, was wir alle wissen: Frauen und Männer sind die zwei häufigsten Gruppen in der Kategorie Geschlecht. Gleichzeitig stellen sie keine zwei klar voneinander getrennten Kategorien da, wie etwa in einem einfachen Balkendiagramm mit zwei Balken und nichts dazwischen außer Leere.

Hier eine der Graphiken, die man immer wieder in der Geschlechterforschung über (cisgender) Männer und Frauen zu sehen bekommt:

sex-differences.png

Quelle

Das sieht einer bimodalen Verteilung ganz schön ähnlich oder? Diese Bilder sagen: Das Fundament ist das gleiche, und die Übereinstimmung ist größer als die Unterschiede, auch wenn letztere ziemlich deutlich hervorheben können, z.B. im Leistungssport, oder in bestimmten äußeren Geschlechtsmerkmalen, die wir jeden Tag bei den meisten Menschen beobachten können.

Im Gegensatz zu zwei sich überlappenden Normalverteilungen ist eine bimodale Verteilung in der Lage nicht-binäre Geschlechter direkt abzubilden.

Beide Blickwinkel tragen aber einen Teil zum Gesamtbild bei, das sich in einer einzigen Graphik einfach nicht abbilden lässt.

Statt uns ewig über das Wort „binär“ zu streiten, können wir uns vielleicht irgendwann auf bimodal einigen – oder zumindest anerkennen, das mehr als eine Perspektive möglich und erlaubt ist.

Der momentan sehr starke Fokus auf das Thema Binärität führt ironischerweise nämlich genau dazu: Eine binäre Sichtweise von „für und gegen“, die einen alles schwarz-weiß sehen lässt. Alternative Begriffe (und Sichtweisen) wie bimodal, oder bisexuell, werden dann unsichtbar / unverständlich.

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