Studie: Bisexuelle wieder nur halb unterm Regenbogen?

Eigentlich wollte ich längst andere Sachen gepostet haben und meine Zwei-Serie fortführen…

Aber irgendwie bläst dieser Beitrag ins selbe Horn: Es geht um folgende Studie, in der bisexuell als „binärsexuell“ definiert wurde.

Hier die Email, die ich an die Regierung Brandenburgs geschrieben habe. Sie ist nicht perfekt ausformuliert, sondern einfach der Versuch, ein paar wichtige Punkte rüberzubringen ohne 2 Stunden vor einem Kontaktformular zu sitzen:

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin Mitglied des Bisexuellen Netzwerks e.V. und möchte Sie auf einen Fehler in ihrer Studie zu queeren Menschen hinweisen:

Queeres Brandenburg: Ergebnisse der Online-Befragung
zur Lebenssituation von LSBTTIQ* in Brandenburg

Darin steht:

„Bisexualität, bisexuell: Sexuelle Orientierung, die sich in ihrem Begehren in einem Zweigeschlechtersystem auf beide Geschlechter bezieht, also auf männlich und weiblich. Bisexuelle sind Männer und Frauen, die sich in Männer und Frauen verlieben und diese begehren können.“

Das ist historisch und faktisch falsch, verbreitet sich leider immer mehr in jüngster Zeit. Die einzige nicht-binäre Person, die ich persönlich gut kenne, ist bi und in einer Beziehung mit einem bisexuellen Mann, und absolut kein Einzelfall!

Bisexuell ist nicht dasselbe wie binärsexuell und kein(!) binärer Begriff. Dass man sagt, Bisexuelle stehen auf Männer und Frauen, ist eine Vereinfachung für den Alltag, mehr nicht.

Bisexualität ist der dritte Begriff, der die oft binärisch verwendeten Homo-Hetero-Begriffe ergänzt und sagt „Beides!“, homo und hetero, oder gleich- und verschiedengeschlechtliche Anziehung. Darauf beziehen sich auch die Farben der Bi-Flagge!

Man findet deshalb Bisexuelle mit allen möglichen Geschlechtsidentitäten und Ansichten zum Thema Geschlecht.

Viele sehen Bi auch als Anziehung zu Maskulinem und Femininem, und völlig unabhängig von biologischem Geschlecht oder Geschlechtsidentität.

Andere Bisexuelle sehen Geschlecht als ein Spektrum mit 2 Polen und als Bisexuelle finden sie einen bestimmten Bereich zwischen diesen Polen attraktiv.

Deshalb hört man oft die Definition der Bi-Aktivistin Robyn Ochs, die schlicht gesagt „mehr als 1“ heißt.

Bitte reduzieren Sie bisexuelle Vielfalt nicht auf Binärität. Dies trägt nämlich zu der Ausgrenzung Bisexueller in der queeren Gemeinschaft bei. Bisexualität wird immer häufiger als veralteter, schwammiger, diskriminierender, problematischer politisch inkorrekter Begriff wahrgenommen, der trans*, inter* und/oder nicht-binären Menschen schaden könnte. Deshalb wollen sich Bisexuelle zunehmend nicht mehr anderen queeren Menschen gegenüber outen, Bi-Themen fallen weiterhin unter den Tisch, und Bisexuelle fühlen sich nicht zugehörig, weder in der queeren, noch der „Heterowelt“.

Das ist besonders perfide, denn bisexuell ist laut mehrerer Studien die häufigste sexuelle Orientierung von Trans*menschen, und historisch gibt es eine große Solidarität zwischen den beiden Bewegungen.

Es macht auch wirklich keinen Sinn, aus bisexueller Perspektive. Viele bisexuelle Menschen wissen nicht-binäre oder androgyne Menschen im weitesten Sinne sehr zu schätzen, *weil* wir bi sind.

Bi ist dasselbe auf der Ebene der sexuellen Orientierungen, was nicht-binär auf der Ebene der Geschlechtsidentität ist:

„Beides“ oder „keines von beiden“

Bitte korrigieren Sie Ihren Fehler, oder forschen Sie weiter nach, wenn ich Sie nicht überzeugen konnte. Gerne übersende ich Ihnen bei Interesse Quellen.

Mit besten Grüßen,
[…]

Wenn ihr bi seid, oder bisexuelle Menschen unterstützen wollt, kann ich euch nur raten, euch zu beschweren, wenn ihr so etwas seht. Hier das Kontaktformular des entsprechendem Ministeriums.

Immer wieder werden wir von außen fremd-definiert und in eine kleine Schublade gezwängt, so dass schon Bisexuelle in Deutschland angefangen haben, diesen teils bi-feindlichen Unsinn weiterzuverbreiten.

Bi-Begriffe sind wunderbare, wichtige Wörter. Niemand muss sich so nennen, aber es sollte die Möglichkeit dazu geben, wenn es passt – und zwar ohne Reduzierung, Verklärung oder Abwertung.

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